Die weltweiten wirtschaftlichen Turbulenzen haben den Klimaschutz in den Hintergrund gedrängt. Dabei sind Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch: Unternehmen können mit klug gesetzten Akzenten im Sinne der Nachhaltigkeit durchaus auch ihre Effizienz steigern.
Der Weltklimarat schlug im Frühjahr 2007 Alarm: Die Erderwärmung schreitet unabänderlich voran. Die Experten waren sich einig, dass nur noch eine weltweite "CO2-Vollbremsung" das Schlimmste verhindern könnte. Die Reduktion der Teibhausgase wurde zum beherrschenden Thema - in den Medien, in der Wirtschaft wie in der Politik.
Doch dann kam die Wirtschaftskrise und verpasste den Klimaschutz-Bemühungen einen empfindlichen Dämpfer. Regierungen rund um den Globus konzentrieren ihre Aufmerksamkeit und Ressourcen seither in erster Linie darauf, die Folgen der Krise einzudämmen, statt auf die Verbesserung umweltpolitischer Rahmenbedingungen. Dasselbe gilt für Unternehmen.
Zeithorizont erweitern
Ist Nachhaltigkeit in Zeiten wie diesen überhaupt noch leistbar? Oder ist es gerade jetzt notwendig, nachhaltig zu wirtschaften, um zukunftsfähig zu bleiben? x|vise-Consultant Andreas Dür ist überzeugt, dass ökologische Gesichtspunkte nicht isoliert betrachtet werden dürfen, da es sich ein Unternehmen schlichtweg nicht leisten könne, "ausschießlich ökologisch motiviert zu handeln." Schließlich trage es seinen Mitarbeitern gegenüber auch soziale Verantwortung. "Doch ein Blick über den Tellerrand hinaus eröffnet nicht selten eine längerfristige Perspektive für Aktivitäten im Zeichen der Nachhaltigkeit, die auch zu Effizienzsteigerungen im Unternehmen führen", zeigt Dür Potenziale auf.
Gelebter Lean-Gedanke
Ein aktuell vieldiskutiertes Thema in Logistikkreisen ist Lean Management. Ziel dabei ist es, die Lieferkette effizient zu gestalten, indem Verschwendungen minimiert werden. Für Andreas Dür gehen der "Lean-Gedanke" und die Nachhaltigkeit Hand in Hand. Ein Beispiel dafür sei die Vermeidung von Leerfahrten, ein weiteres die Reduzierung von LKW-Fahrten mithilfe von IT-Systemen. Diese ermitteln nach Bekanntgabe einer Tour umgehend die kürzeste Strecke. "Verlader sparen dadurch nicht nur Kosten, sondern schonen zugleich die Umwelt."
Ein möglicher Ansatzpunkt ist auch der gesamte Verpackungsbereich. Er gehört zu den großen CO2-Verursachern entlang der Supply Chain. Wer darauf einen näheren Blick wirft, kann ebenfalls zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Nicht zuletzt bieten sich die großen Dachflächen von Lagerstandorten ideal für die Nutzung von Sonnenenergie an. "Eine Photovoltaik-Anlage bedeutet eine einmalige, vielerorts sogar geförderte Investition, senkt die Betriebskosten dann aber über Jahre", so der Logistikberater.
Gut gefüllte Fördertöpfe
Bei Neuanschaffungen und Projekten rentiere es sich in jedem Fall, vorab Fördermöglichkeiten von Bund und Land genau zu prüfen. Andreas Dür: "Die beschlossenen Konjunkturpakete zur Sicherung des Standorts Österreichs stellen insbesondere für KMU finanzielle Mittel für Neuinvestitionen und Innovationen zur Verfügung." Von daher sind die Voraussetzungen, einen nachhaltigen Weg aus der Krise in die Zukunft einzuschlagen, schon mal gut.
zurück zu den x|periences vom 13.05.2009