Die systematische Qualitätssicherung hält langsam auch Einzug in die Logistik. Zu Recht. Denn zu erwarten sind optimierte Prozesse, geringere Kosten und nicht zuletzt zufriedenere Kunden.
Angesichts eines wachsenden Qualitätsbewusstseins auf der Verbraucherseite und des verschärften Wettbewerbs unter den Anbietern ist eine systematisch organisierte Qualitätssicherung in der Produktion längst nicht mehr wegzudenken. Im Gegensatz dazu steckt das Qualitätsmanagement in der Logistik bislang noch in den Kinderschuhen. "Sei es, weil entsprechende Zertifikate marktseitig im Augenblick noch wenig gefordert werden oder auch, weil Unternehmen den Nutzen nicht einschätzen können", berichtet x|vise-Logistikberater Alexander Kieslinger.
Herausforderung liegt im Detail
Sobald in der Industrie die Maschinen laufen, werden Maß, Oberfläche, etc. stichprobenartig geprüft, um gegebenenfalls prompt gegensteuern zu können. "Das ist ein repetitiver Vorgang, der sich gut beobachten lässt", sagt Kieslinger. Und in der Logistik sei es grundsätzlich nicht anders. "Der Kommissioniervorgang wiederholt sich ebenfalls. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass die Ware nicht immer dieselbe ist." Sperrige Güter, Kleinteile oder Gefahrgut verlangen zudem eine unterschiedliche Handhabung. Darüber hinaus nimmt die Logistik eine Querschnittsfunktion in und zwischen Unternehmen ein. Über die gesamte Lieferkette nehmen deshalb zahlreiche externe wie auch interne Kunden-Lieferanten-Beziehungen Einfluss auf den Prozessablauf. Dies stellt mitunter höhere Anforderungen an die Qualitätssicherung. Die von Kundenseite geforderte Dienstleistungsqualität im Hinblick auf logistische Ziele wie Liefertreue oder Beschädigungen gilt es dennoch, wirtschaftlich zu erfüllen. Für Alexander Kieslinger ist dabei vor allem entscheidend, dass all jene, die tagtäglich logistische Aufgaben ausführen, von der Notwendigkeit und dem Nutzen einer Qualitätssicherung überzeugt sind. Genauso wie das Top-Management. "Denn um ein Logistik-Qualitätsmanagement langfristig zu etablieren, muss dieses von der Unternehmensspitze gefordert und gefördert werden."
Fehlerquellen aufspüren
Wenn es darum geht, die Logistikqualität zu steigern, sollte man aber auch die heutigen Möglichkeiten der Technik nicht außer Acht lassen. So lassen sich beispielsweise anhand der Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse (FMEA), ein in der Betriebswirtschaft weit verbreitetes Werkzeug, potenzielle Schwachstellen in einem System aufdecken. Eine innovative Weiterentwicklung davon ist die Logistik-FMEA: eine ganzheitliche Methode, um die Kernprozesse innerhalb der Supply Chain bereits in der Prozessentwicklug auf mögliche Fehlerquellen hin zu untersuchen. "Logistikfehler lassen sich somit nicht erst im laufenden Betrieb erkennen, sondern frühzeitig ausräumen", erklärt Kieslinger. Vorteile der Einführung einer Logistik-FMEA seien neben der Reduzierung von Fehlern unter anderem auch eine Steigerung der Qualität logistischer Dienstleistungen, die Optimierung logistischer Abläufe, eine Erhöhung der Lieferfähigkeit sowie Bestandsreduzierungen.
Vorteile, wie sie auch von einer konsequenten Qualitätssicherung in der Logistik zu erwarten sind: nämlich effizientere Prozesse, geringere Kosten und zufriedenere Kunden.
zurück zu den x|periences vom 17.11.2009