Wie Supply Chain Risk Management Unternehmen darin unterstützt, Betriebsrisiken effektiv zu bewältigen und auch im Katastrophenfall erfolgreich zu agieren.
Am 16. April saß Andreas Dür im Flieger von Tiflis nach München. In Georgien hatte der Logistikberater tags zuvor mit einem dort ansässigen Unternehmen über Risikomanagement in der Lieferkette diskutiert. Als die Maschine auf dem Flughafen landete, war dem Logitikberater noch gar nicht bewusst, wie "brandaktuell" das Thema Supply Chain Risk Management kurz darauf allerorts werden würde. Bekanntermaßen legte die Aschewolke eines isländischen Gletschervulkans in den darauffolgenden Tagen in weiten Teilen Europas den Flugverkehr lahm. Dass in kürzester Zeit große Automobilhersteller und Zulieferer ihre Produktion aufgrund fehlender Bauteile stoppen mussten, macht die enormen Abhängigkeiten vom Luftverkehr deutlich. "Am stärksten betroffen waren jene Unternehmen, die in der Vergangenheit besondes schlanke Wertschöpfungsketten aufgebaut, jedoch keine Notfallpläne ausgearbeitet und intern verankert haben", so Dür. Wie schnell solche Pläne dann plötzlich zur Hand sein müssten, hätten die jüngsten Ereignisse nun eindrücklich gezeigt.
Auf Risiken vorbereiten
Vordringlich ist für den x|vise-Consultant, dass sich Unternehmen überhaupt mit Katastrophenszenarien auseinandersetzen: "Viele Firmen haben dieses Thema bislang außen vor gelassen, entsprechend unvorbereitet und mitunter hart werden sie von unvorhersehbaren Ereignissen wie diesem Vulkanausbruch getroffen." Andreas Dür empfiehlt daher zu beleuchten, was im Notfall geschehen könnte, und festzulegen, wie mit diesen Gefahren umgegangen werden soll. Dazu zählt das Planen von simplen Maßnahmen wie die frühzeitige Kommunikation mit den Kunden. "Auch das Umrouten von Transporten kann ins Auge gefasst werden. Im Vorfeld sollte auch gleich der zeitliche und finanzielle Aufwand dafür erhoben werden", sagt Dür. Außerdem können Verträge mit Lieferanten und Kunden dahingehend angepasst werden, dass bei Naturkatastrophen keine Pönalen zu zahlen sind. Schließlich lassen sich mittels Simulationen beispielsweise die Kosten für mehrere Lagerstufen oder einen Sicherheitsbestand den Einbußen durch einen Produktionsausfall gegenüberstellen. Das Ergebnis ist zugleich Entscheidungsgrundlage für das Management, im Sinne der Risikoprävention zu investieren - oder aber einen Gewinneinbruch bewusst in Kauf zu nehmen. Denn auch dies ist eine mögliche Strategie.
Die Frage, wie sich solche Naturkatastrophen künftig verhindern lassen, stelle sich nicht wirklich, hält Andreas Dür fest. "Wohl aber jene, bis zu welchem Grad betriebliche Prozesse beziehungsweise Wertschöpfungsketten optimiert werden können, ohne dass sie bei mehrtätigen Stehzeiten zu einem Unternehmensrisiko werden."
zurück zu den x|periences vom 19.05.2010