Wie können Lieferketten gestaltet werden, damit Unternehmen auch im wirtschaftlichen Abschwung von den Vorteilen des Supply Chain Managements profitieren?
Supply Chain Management (SCM) gilt landläufig als eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit mit massiven Vorteilen: Gemeinsame Stärken und Synergieeffekte lassen sich nutzen, der Waren- und Informationsfluss wird optimiert, das Risiko geteilt. Nicht umsonst werden Experten nicht müde, darauf hinzuweisen, wie wichtig eine effiziente, koordinierte Wertschöpfungs- und Versorgungskette für den Unternehmenserfolg jedes Einzelnen ist. Doch die Wirtschaftskrise wirft derzeit die Frage auf, ob SCM seinen hohen Ansprüchen auch in schlechten Zeiten gerecht werden kann - oder ob perfekt optimierte und integrierte Systeme beziehungsweise Organisationen in der Krise vielleicht sogar anfälliger sind.
Riskante Verkettung
Die Automobilindustrie ist seit jeher ein Gradmesser für hochklassiges Lieferkettenmanagement. An ihrem Beispiel wird derzeit auch die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit des SCM deutlich. "Während die Autohersteller aktuell mit Überkapazitäten von 20 Prozent kämpfen, sind es bei ihren Lieferanten teilweise bis zu 50 Prozent", weiß x|vise-Logistikberater Andreas Dür. Diesen Umstand erklärt er unter anderem damit, dass SCM-Planungsinstrumente, die für alle Beteiligten der Lieferkette einen einheitlichen Informationsstand gewährleisten, im Zuge der Krise zu einem Bumerang geworden seien. In guten Zeiten bilden diese Tools die Grundlage, um Daten in Echtzeit auf allen Ebenen zur Verfügung zu stellen, den Bedarf entsprechend aufeinander abzustimmen und infolgedessen Abläufe zu optimieren. "Durch die enge Verkettung der Supply Chain ist jetzt aber auch die Krise der OEM's unmittelbar auf die Lieferanten übergegangen", so Dür. Hinzu kommt, dass die Automobilzulieferer sich in der Vergangenheit zum Wohle der optimalen Lieferkette unterordnen mussten und teils große Investitionen tätigten, die ihnen zwischenzeitlich zum Verhängnis geworden sind. Die Folge: Die Automobilkonzerne müssen gewisse Lieferanten bereits stützen - im guten Wissen, dass deren Untergang auch für sie selbst unangenehme Konsequenzen haben würde.
Nur echte Partner mit echten Vorteilen
"Im Augenblick kapseln sich viele Unternehmen ab, um ihre eigene Liquidität bestmöglich zu erhalten", sagt der Logistikberater und gibt zu, dass in diesen Fällen die Vorteile des SCM kaum mehr zum Tragen kommen. Er ist jedoch überzeugt, dass der Erfolg des Lieferkettenmanagements durch "echte" Partnerschaften nachhaltig gesichert werden kann. "Schafft die Zusammenarbeit Synergien und vor allem finanzielle Vorteile für alle", konkretisiert Dür, "so kann jeder für sich Rücklagen bilden." Dadurch wären alle Beteiligten in Krisenzeiten finanziell besser abgesichert und würden von der wirtschaftlichen Flaute weniger hart getroffen. In Bezug auf solche SCM-Partnerschaften rät er Unternehmen, sich gut zu überlegen, ob sie eine strategische oder nur eine operative Kooperation eingehen möchten. Die Frage lautet: Muss man zusammen forschen und entwickeln, oder ist das primäre Ziel, den Warenfluss zu optimieren und dabei Kompetenzen und Wissen wie das Produkt-Know-how nicht zu teilen?
Nicht zuletzt liegt der Schlüssel für erfolgreiches Supply Chain Management neben der Partnerschaft vor allem in der Einfachheit. "Tatsache ist, dass die simpelsten Konzepte auch in der Krise gut funktionieren", konstatiert Andreas Dür. Gerade die Discounter würden dies derzeit eindrücklich unter Beweis stellen.
zurück zu den x|periences vom 13.08.2009