Ein Logistikzentrm im Twin-City-Raum Wien/Bratislava soll Transporte am Land, zu Wasser und in der Luft miteinander verknüpfen. x|vise analysierte im Auftrag der Industriellenvereinigung Möglichkeiten, Chancen und Risiken eines multimodalen Logistik-Hubs.
In einigen Jahren könnten Züge aus Wladiwostok an der Pazifikküste und sogar aus der chinesischen Hauptstadt Peking ohne Umladen oder Umsteigen bis nach Wien rollen. Russland, die Ukraine, die Slowakei und Österreich haben sich zusammengetan, um das russische Breitspurystem in den Donauraum weiter zu führen. Die Eisenbahngesellschaften dieser Länder arbeiten bereits an einer Machbarkeitsstudie, die bis zum Ende des Jahres vorliegen soll. Die "verlängerte Transsibirische Eisenbahn" würde die Transportzeiten zwischen Ostasien und Westeuropa im Vergleich zum Seeweg über den Indischen Ozean nahezu halbieren. Die neue Breitspurtrasse würde außerdem die Voraussetzung dafür bieten, um in der Twin-City-Region Wien/Bratislava ein multimodales Logistikzentrum zu errichten und den Warenaustausch "grün" zu gestalten.
Drehscheibe mit Mehrwert
Die Industriellenvereinigung Wien spricht von einem visionären, aber machbaren Projekt und sieht in der Breitspuranbindung Ostösterreichs eine einmalige Chance für den Wirtschaftsstandort. x|vise hat die IV von Anfang an fachlich begleitet. In einer Expertise beleuchteten die Logistikberater die Hintergründe der Verlängerung der Breitspur, ein zuvor erstelltes Gutachen zeigte die Charakteristik, die wirtschaftliche Bedeutung und den Nutzen multimodaler Logistikzentren auf.
In modernen Logistikkonzepten geht es nicht mehr um Schiene versus Straße. Die Herausforderung besteht für Politik und Wirtschaft vielmehr darin, alle Verkehrsträger dort einzusetzen, wo sie ihre Stärken haben - und dies zunehmend auch unter ökologischen Aspekten. Damit die Wahl der Verkehrsträger aktiv gesteuert werden kann, braucht es jedoch multimodale Drehscheiben, die zugleich beachtliche Wachstums- und Jobmotoren sind. Denn dort, wo Waren zusammenkommen, entsteht Wertschöpfung. Und in solchen Terminals werden Güter nicht nur bewegt: In ihrem Mittelpunkt stehen vielmehr Dienstleister, die logistische Mehrwertservices erbringen - von Lager- und Verpackungslogistik bis zum Assembling.
So schuf der Logistik-Hub und weltgrößte Binnenhafen duisport an die 36.000 hafenabhängige Arbeitsplätze und bringt jährlich 2,2 Milliarden Euro Wertschöpfung für die Region. Ebenjenes Erfolgsmodell wird in der Expertise von x|vise als Vorbild für ein mögliches Logistik-Hub im Twin-City-Raum herangezogen.
Internationaler Verkehrsknotenpunkt
Diese zentraleuropäische Boomregion ist nicht zuletzt deshalb ein idealer Standort für ein solches Logistikzentrum, da sich hier mehrere transeuropäische Verkehrsachsen kreuzen. Die Verkehrsträger LKW, Bahn, Schiff und Flugzeug könnten dadurch auf ideale Weise kombiniert werden. Immenses Potenzial würde neben der Breitspur vor allem auch die weitgehend ungenutzte Wasserstraße Donau bieten.
Denn im Augenblick wird der Handel zwischen Europa und Asien fast ausschließlich auf dem Seeweg und über die Nordhäfen abgewickelt. Das bedeutet einen Umweg für Empfänger in Mitteleuropa, der sowohl durch die direkte Schienenverbindung mit Asien als auch die verstärkte Nutzung der Donau für den Hinterlandtransport von und zu den Südhäfen nicht mehr nötig wäre. Das Logistikzentrum würde hierbei als Hauptumschlagsplatz fungieren, die Güter den jeweiligen Verkehrsträgern zuführen und dabei auch Mehrwertlogistik bieten.
Tatsache ist, dass das Transportaufkommen zwischen der EU und Russland sowie innerhalb Zentral- und Osteuropas in Zukunft weiter zunehmen wird. Das Institut für Mobilitätsforschung prognostiziert eine Verdoppelung des Ost-West-Güterverkehrs bis 2030. Angesichts solcher Zahlen und der geografischen Lage Österreichs ist das Gebot der Stunde, Wege zu finden, um diese Entwicklung nicht nur mitgestalten, sondern auch davon profitieren zu können. Die Verlängerung der Breitspur in den Donauraum in Kombination mit der Schaffung eines multimodalen Logistikzentrums stellt eine echte Möglichkeit dar.
zurück zu den x|periences vom 19.05.2010